Die Sparte Leichtathletik

Sparte Leichtathletik / Chronik 1995

Wie aus vorhandenem Schriftverkehr zu ersehen ist, wurde die erste Veranstaltung am 21.06.1947 auf dem Sportplatz der damaligen Gemeinde Vaake durchgeführt. An diesem Sonntag wurden anläßlich des "Hessischen Jugendtages" Staffelläufe durch den Ort Vaake sowie leichtathletische Wettkämpfe auf dem Sportplatz veranstaltet. Nach der Siegerehrung mit anschließendem Tanzvergnügen im Saal der Gaststätte Tichy überwies der Verein einen Überschuß von 100,00 RM an den Kreisjugendausschuß in Hofgeismar. Aus der Bestandserhebung vom 01.11.1947 geht außerdem hervor, daß die Sparte Leichtathletik zu diesem Zeitpunkt 30 Sportler angehörten.

Leider lassen sich die Jahre bis 1955 nicht mehr dokumentarisch nachvollziehen. Lediglich aus Erzählungen älterer Vereinsmitglieder konnten wir entnehmen, daß der jugendliche, legendäre Egbert "Zatopek" Oehlbrecht bei Langstreckenläufen Anfang der 50er Jahre großartige Erfolge für den TSV Vaake erringen konnte.

Wieder erwähnt wurde die Sparte Leichtathletik im Protokoll der Jahreshauptversammlung des Jahres 1955. Während dieser Versammlung wurde mit dem 19jährigen Willi Götze ein junger Sportler gefunden, der sich von nun an bis zum Jahre 1959 als Spartenleiter für die sich im Aufbau befindende neue Sparte zur Verfügung stellte.

Mit der Wahl eines Spartenleiters verband der damalige Vorstand die Hoffnung, die vielen in den letzten Jahren ausgetretenen Vereinsmitglieder zurückgewinnen und ihnen eine neue Möglichkeit der sportlichen Betätigung geben zu können. Unter für den Sport noch unzureichenden Bedingungen wurde Leichtathletik in Verbindung mit Geräteturnen und Fußball betrieben. Vereins-, Kreis- und Turnfeste waren Ereignisse, die eine große Anziehungskraft auf die Sportler des TSV ausübten. Große Teilnehmerfelder ließen den jeweiligen Sporttag zu einem besonderen Erlebnis werden. Beliebt waren Drei-, Vier- und gemischte Mehrkämpfe, eine Beweis für die Einheit von Turnen und Leichtathletik im TSV.

Nachdem Willi Götze die Leitung der Sparte übernommen hatte, fanden sich bald Jugendliche, die Spaß an dem Sportangebot des Vereines hatten und sich seit der Zeit regelmäßig zum Training trafen. Trainiert wurde in diesen Jahren auf dem alten Sportplatz – in der mit Sägespänen gefüllten Sprunggrube – sowie auf Feld- und Gemeindewegen. Trotz dieser aus heutiger Sicht primitiven Bedingungen errangen die TSV Leichtathleten wie August Wallbach, Walter Salomon, Egbert Oehlbrecht, Helmut Klitschke, Winfried Müller usw. bei Teilnahme auf Kreissportfesten und Vergleichswettkämpfen beachtliche Erfolge für den TSV. Es wäre interessant zu wissen, welche Zeiten und Weiten diese Sportkameraden unter heutigen, optimalen Verhältnissen (wie Tartanbahn, Startblock, und Spikes) erreicht hätten. Sicherlich würde noch so manche Rekordmarke jener Zeit am heutigen Tage Bestand haben.

In den Jahren 1960 – 1974 gab es mit August Wallbach, Walter Salomon, Herbert Pelz, Egbert Oehlbrecht und Günter Hesse immer wieder begeisterungsfähige Sportkameraden, die sich uneigennützig für das Amt des Spartenleiters zur Verfügung stellten. Unter ihrer Regie wuchs eine neue Generation hervorragender Leichtathleten wie Klaus Frischholz, Reinhard Mai, Manfred Ude, Harald Wallbach, Herbert Parys und etlicher weiterer Jugendlicher heran. Manfred Ude war es dann auch, der am 14.06.1969 beim Kreissportfest in Immenhausen nach einem packenden Rennen über 100m den ersten Kreismeistertitel an die Weser holte. Sicherlich kam sowohl ihm als auch den anderen Leichtathleten zugute, daß sie seit der Einweihung des Ahlesportplatzes mit den neu geschaffenen Leichtathletikanlagen unter hervorragenden Wettkampfbedingungen trainieren konnten. Herbert Parys startete als erster TSV-Sportler in dieser Zeit bei Bezirks- und Landesmeisterschaften. Seine Stärke waren die Mittelstreckenrennen.

Waren bisher noch etwa 25-30 Aktive in der Leichtathletik vertreten, so erlebte die Sparte Anfang der 70er Jahre einen herben Rückschlag. Der Aufschwung im Jugendfußball machte sich negativ bei den Leichtathleten bemerkbar. Sicherlich war auch die Gründung des Schwimmvereines ein Grund dafür, daß die Zahl der Aktiven, um etwa die Hälfte, auf 15 Personen dezimiert wurde.

Obwohl in den Jahren 1974 – 1979 mit Wolfgang Hellwig, ein ehemaliger aktiver Leichtathlet der LG ACT Baunatal, der seine überregionalen Erfahrungen einbrachte, ein motivierter Spartenleiter gefunden wurde, pendelte sich die Zahl der Aktiven bis zum heutigen Tage bei ca. 12-18 Sportlern ein. Unter seiner fachkundigen Leitung waren es überwiegend die Sportkameraden Matthias Vecera, Dirk Rettberg, Harald Sommer, Jörg Schmahl, Arnulf Rettberg, Jürgen Hellwig, Hans-Jürgen Mai und Ulrich Schmahl, die die Farben des Vereines bei Cross- und Leichtathletikwettkämpfen vertraten und des öfteren in den Rang- und Ergebnislisten auf den vorderen Plätzen zu finden waren.

Nach einer nur fünfmonatigen Amtszeit von Matthias Vecera übernahm im Mai 1980 Harald Sommer das Amt des Sparten- und Übungsleiters. Er wurde in den ersten Jahren tatkräftig von Arnulf Rettberg unterstützt. Wie oben bereits erwähnt, ist die Sparte Leichtathletik zu den kleineren Abteilungen des TSV zu zählen. Infolgedessen hatte Harald Sommer in den zurückliegenden Jahren nicht selten mit geringen Trainingsbeteiligungen zu kämpfen. Er verstand es jedoch ganz hervorragend, seine Schützlinge immer wieder zu motivieren, indem er den Trainingsbetrieb aufrecht erhielt, auch wenn sich nur zwei oder drei Aktive auf der Aschenbahn einfanden. Die Früchte dieser ausdauernden Arbeit konnte der TSV zu allen Zeiten ernten. Gerade Ende der siebziger- Anfang der achtziger Jahre strebten viele Jugendliche der Sparte Leichtathletik zu. Hierbei ist besonders zu erwähnen, daß seit 1981 auch immer mehr Mädchen ihre sportliche Heimat in der Sparte fanden. Die Aktivitäten bezogen sich vorwiegend auf die klassischen Disziplinen Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Ballwurf sowie Laufen auf Kurz- und Mittelstrecken. Es wurde an vielen Wettkämpfen, überwiegend auf Kreisebene, mit guten Erfolgen teilgenommen. Aus dieser Arbeit im Breitensport – "der Talentschmiede Harald Sommers" – erwuchsen jedoch auch große Erfolge, auf die die Sparte und der gesamte Verein mit Stolz aufblicken können.

Lutz Becker, Zweitplatzierter bei den Deutschen Meisterschaften über 400m im Jahre 1994 und Teilnehmer an den Europameisterschaften in Helsinki, inzwischen für den USC Mainz startend, begann im Jahre 1982 seine sportliche Laufbahn beim TSV. Er war aufgrund eines Wohnortwechsels jedoch nur kurze Zeit Mitglied unseres Vereines; sein Talent ließ er allerdings schon damals aufgrund hervorragender Leistungen bei verschiedenen Wettkämpfen, insbesondere den Bezirksmeisterschaften in Bad Sooden Allendorf, erkennen.

Die bisher größten Erfolge eines Sportlers aus den Reihen des TSV Vaake errang Dirk Berger. Er startete in den Jahren 1986/87 erstmals auf Mittel- und Crosstrecken auf Kreis- und Bezirksebene und konnte im Jahre 1988 seine erste Hessenmeisterschaft im Crosslauf erringen. Wegen seines beruflichen Werdeganges bei der Hessischen Polizei bot es sich für ihn an, die besseren Trainingsmöglichkeiten beim PSV Grün Weiß Kassel unter Bundestrainer Aufenanger zu nutzen. Dennoch trainiert er bis heute zusätzlich mit seinen Sportkameraden vom TSV, wo er inzwischen seine Erfahrungen als Co-Trainer an jüngere Sportler weitergibt. Dirk Berger konnte neben vielen anderen hervorragenden Resultaten im Jahre 1983 den zweiten Platz bei den Europäischen Polizeimeisterschaften über 3000m Hindernis in London erringen sowie Hessischer Polizeimeister im Crosslauf werden. Im Jahre 1993 war ein weiterer großer Erfolg in der Juniorenklasse der dritte Rang bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000m sowie die Teilnahme bei der Cross WM in Amerika. Die Krönung seiner bisherigen Laufbahn dürfte der 1. Platz über 1.500m sowie der 2. Platz über 5.000m bei der inoffiziellen Polizeiweltmeisterschaft im Jahre 1993 in Colorado Springs darstellen. Aufgrund seiner Leistung und seines Talents gehört Dirk Berger dem Deutschen B-Kader im Langstreckenlauf an.

Auch sein Bruder Marco Berger fühlt sich auf längeren Strecken sehr wohl. Er nahm in den letzten Jahren als erster TSV-Athlet an Marathonläufen teil. Sein größtes Erlebnis dürfte dabei der Start beim Hawaii-Marathon im Jahre 1994 gewesen sein.

Die Vorbilder im eigenen Verein waren Ansporn dafür, daß immer wieder talentierter Nachwuchs am Trainingsbetrieb teilnahm und ebenfalls ausgezeichnete Wettkampfleistungen zeigte. Christian Most, Marc Haase, Oliver Reinhold, Biagio Marchesano und Francois de Graaf errangen mehrere Titel auf Kreis- und Bezirksebene. Bei den Mädchen machten Benita Schertel und Sabina Streciwilk sehr gute Fortschritte. Benita wurde Kreismeisterin über 800m und konnte zudem weitere Erfolge und gute Platzierungen bei anderen Veranstaltungen verbuchen. Junge und vielversprechende Talente werden derzeit durch Harald Sommer ausgebildet und an Wettkämpfe herangeführt.

Leider ist seit 1991 die Möglichkeit, auf der Leichtathletikanlage des Ahlesportplatzes zu trainieren, nicht mehr gegeben. Aufgrund der erheblichen Dioxinbelastung der Laufbahn wurde die gesamte Sportfläche gesperrt. Der Trainingsbetrieb findet seit dieser Zeit auf der Anlage des VfL Veckerhagen statt. Im Herbst des Jahres 1994 konnte endlich das Entsorgungsproblem gelöst werden, so daß die Hoffnung groß ist, zum 100jährigen Jubiläum auf einer neuen Lauf-, Sprung- und Kugelstoßanlage unter optimalen Bedingungen trainieren zu können.

(Dieser Artikel ist ein Auszug aus der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des TSV Vaake. Geschrieben im Jahr 1994/1995 von Berthold Haase, Gerold Wallbach und Harald Wallbach)