Projekt „Sportanlagenentwicklung Reinhardshagen“ – Ziele für eine Konzepterstellung stehen fest
Das seit Dezember 2024 laufende Projekt „Sportanlagenentwicklung Reinhardshagen“ befindet sich in der abschließenden Projektphase und soll Ende September 2025 mit der Vorlage einer Projektstudie bei den Auftraggebern, Gemeindevorstand und den Vorständen des TSV 1895 Vaake e.V. sowie VfL Veckerhagen 1897 e.V., abgeschlossen werden. Ziel ist es, eine fundierte Entscheidungsgrundlage für die bedarfs- und zukunftsorientierte Entwicklung der Sportanlagen in Reinhardshagen vorzulegen, um den Vereins-, Schul- und den Individualsport langfristig i. R. der Finanzierbarkeit zu fördern. Soziale Kontakte, Integration und Inklusion sollen durch entstehende Bewegungs- und Begegnungsräume für Zielgruppen, wie Kinder und Jugendliche oder ältere Menschen, gestärkt werden.
Die Projektgruppe führte zunächst eine umfassende Bestandserhebung auf den Sportanlagen durch. Der Bestand, der Zustand, die Nutzung von Sportstätten und Sportgebäuden wurden dabei festgestellt und analysiert. Zudem wurde eine Kostenbetrachtung für Betrieb und Erhaltung der Anlagen angestellt. Die sich daraus ergebenden Bedarfe reichen von der Verbesserung der Trainings- und Wettkampfstätten über die Schaffung von Trendsportanlagen sowie Bewegungs- und Begegnungsräumen, der Sanierung und Erweiterung der Sportgebäude bis hin zu Maßnahmen zum Lärmschutz, zur Gebäude-energieeffizienz, zur Barrierefreiheit oder Zugänglichkeit der Sportanlagen.
Bevölkerungsbefragung erbringt aufschlussreiche Erkenntnisse
In der anschließenden „Bedarfsanalyse“ wurde eine umfassende Bevölkerungsbefragung gestartet. Als anonyme Online-Befragung oder durch Ausfüllen von Fragebögen hatten alle Einwohnerinnen und Einwohner über sieben Wochen die Möglichkeit, daran teilzunehmen. Neben allgemeinen Merkmalen, wie Geschlechterzugehörigkeit, Alter, Vereinszugehörigkeit, Migrationshintergrund und Beeinträchti-gung wurde auch das Sportverhalten und die Nutzung der Sportanlagen erfragt. Die Befragten konnten außerdem ihre Erfahrungen, Erwartungen sowie Vorschläge einbringen. Zudem wurden mehr als 40 Zielgruppen (Sportvereine, sonstige Vereine, Lucas-Lossius-Schule, Schüler der 3. und 4. Klassen, zwei KITA, zwei Kinder- und Jugendschutzeinrichtungen, die Wohneinrichtung des Landkreises für Flüchtlinge und Asylsuchende, die Feuerwehr, die Kirchengemeinden und die politischen Parteien) spezifisch über die Vorstände oder Leitungen schriftlich befragt. Die Anwohnenden der beiden Sportanlagen konnten einen spezifischen Fragebogen zu Erfahrungen und Vorschlägen ausfüllen.
Durch die mehr als 500 individuell ausgefüllten Fragebogen und 35 Rückläufe der Zielgruppenbefragung hat sich eine breite und für die weitere Projektarbeit aufschlussreiche Datenbasis ergeben.
Die Auswertung zeigte, dass sich die Daten zum Sportverhalten mit Befragungen, die von wissenschaftlichen Instituten oder Sportverbänden in den letzten Jahren durchgeführt wurden, vergleichen lassen und keine grundlegenden Abweichungen bestehen.
Handlungsbedarf wird vor allem bei den Sportgebäuden in den Bereichen Raumbedarf, Sanitäranlagen, Nutzbarkeit, Gebäudeenergieeffizienz oder Barrierefreiheit gesehen. Bei den Sportstätten stehen die Themen Bau eines Kunstrasenplatzes, Erneuerung der Leichtathletikanlage, Lärmschutz, Schaffung von Trendsportanlagen und von Treffpunkten, speziell für Kinder und Jugendliche, im Vordergrund. Die Befragten wünschen sich ganz überwiegend eine bedarfsorientierte Modernisierung der Sportanlagen und sehen darin die Möglichkeit, die Wohn- und Lebensqualität in Reinhardshagen zu verbessern. Demnach soll die Mittelpunktsportanlage in Veckerhagem als „Sportzentrum“ für die gesamte Gemeinde entwickelt werden und der Ahlesportplatz in Vaake erhalten bleiben.
Konzepterstellung als abschließender Projektschritt
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme und der Befragung wurden anschließend in einer „Bestands-/Bedarfs-Bilanzierung“ zusammengeführt. Daraus konnten die Gesamtbedarfe zur Entwicklung der Sportanlagen formuliert werden. Die daraus abgeleiteten Zielbestimmungen sorgen für Orientierung bei der abschließenden Konzepterstellung.
Information und Beratung durch den Landessportbund Hessen
Anfang Juni referierte der Leiter des Geschäftsfeldes „Sportinfrastruktur“ beim Landessportbund Hessen e.V. (LSBH), Jens Prüller, in einer Veranstaltung der Projektgruppe auf Einladung der Projektleitung. Im Anschluss an eine Begehung beider Sportanlagen berichtete Prüller von Erfahrungen aus vergleichbaren Projekten. Es sei notwendig, Sportstättenentwicklungen ganzheitlich unter Einbeziehung und Beteiligung weiter Bevölkerungskreise anzugehen. Nur so könne die notwendige Akzeptanz und Unterstützungsbereitschaft entstehen. Sportstätten wandelten sich zunehmend von reiner Infrastruktur hin zu Bewegungs- und Begegnungsräumen. Erfolgreich seien die Projekte, bei denen alle wichtigen Akteure, wie Kommune, Sportvereine und gesellschaftliche Gruppen, zusammenarbeiteten. Fördermittel könnten auf verschiedenen Ebenen beantragt werden. Der LSBH biete außerdem fachmännische und kostenfreie Beratung für ihre Mitgliedsvereine. Zudem beantwortete Prüller zahlreiche Fragen und zeigte sich beeindruckt vom ehrenamtlichen Engagement der Projektbeteiligten, der Projektstruktur und dem gewählten Vorgehen in Reinhardshagen. Dies sei deshalb bemerkenswert, da in anderen Projekten die Konzepterstellung in der Regel extern, verbunden mit hohen Kosten, erfolge.
Dieter Riekmann
Projektleiter